Berichterstattung von Armin Wälti, Rebbaugenossenschaft Hallau/Oberhallau

Frostschäden im Rebgebiet Hallau / Oberhallau

Wir wurden davor gewarnt und haben sie erlebt, die Frostnächte.
Die erste kam mit einem Strömungs oder Advektionsfrost vom Donnerstag auf Freitag 20. April. Steter Wind brachte uns die eisige Polarluft mit Tiefsttemperatur von minus 2.4° Celsius, gemessen 2 m über Boden in der Rebparzelle oberhalb des Schwimmbades. Dieselbe Messstation zeigte am Boden minus 3.6 Grad. Das Resultat: rund 10% der jungen Triebe überlebten nicht, die oberen Lagen wurden eher etwas mehr betroffen. Bei manchen Sorten waren die Schäden deutlich höher, aber allgemein hatten wir Winzer den Eindruck mit einem hellblauen Auge davon gekommen zu sein.
Gleich in der darauf folgenden Nacht gab es wieder strengen Frost. Diesmal war es windstill, der Himmel hellte am Abend auf und die sternenklare Nacht bescherte uns einen typischen Strahlungsfrost. Dabei kühlt die Luft ab und fliesst wie eine dickflüssige Masse nach unten. Logischerweise waren hier die unteren Lagen im Nachteil. Die Messungen beim Schwimmbad, also in einer tieferen Lage, ergaben noch kältere Temperaturen als in der Nacht davor, nämlich minus 2.5 Grad auf 2 m und minus 4.1 Grad am Boden. Die Schäden wuchsen auf rund 20%, was durch Frostruten und angepasste Rebarbeiten grössten Teils wieder ausgeglichen werden kann. Das Auge der Winzerinnen und Winzer musste allerdings als dunkelblau bezeichnet werden.
Die Temperaturen stiegen wieder ein wenig an und die Winzer atmeten auf. Für den 28. auf den 29. April wurde nochmals eine Frostnacht, allerdings nur mit einem Grad unter null, vorhergesagt. Die Wetterstation meldete aber morgens zwischen 4 und 5 Uhr nochmals minus 2.3 Grad auf 2 m und minus 1.8 Grad am Boden. Die Triebe waren zu dieser Zeit nass, so dass die Verdunstung die Temperatur der jungen Schösschen nochmals senkte, man spricht hier von einem Verdunstungsfrost. Die Folgen dieser schlimmsten Nacht sind in den meisten Parzellen Schäden von über 90%. Diese Ausfälle können mit der Rebarbeit bei weitem nicht mehr kompensiert werden und bringen im nächsten Herbst massivste Ernteausfälle.
Den Winzern bleibt in den meisten Parzellen nur noch die Hoffnung auf fruchtbare Knospen, welche noch nicht ausgetrieben haben und damit noch eine kleine Menge ernten zu können. Bei später reifenden Spezialitäten wird es keine Weinlese 2017 geben.